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eröffnung130 Jahre und immer noch lebendig!

Fast genau vor 30 Jahren, am 26.10.1987, wurde die Stadtbibliothek in ihren neuen Räumen im Kellereischloß eingeweiht und gleich am ersten Tag gestürmt. Heiß begehrt war das damals neue  Angebot an Cassetten, Schallplatten und Spielen. Auch die große Auswahl an Zeitschriften und Zeitungen sorgte für Begeisterung, während es in den Regalen eher leer aussah. Schnell war ein Kinderprogramm auf die Beine gestellt, denn unter den Mitarbeiterinnen war eine Erzieherin. Leiterin Karin Wengerter erinnert sich noch gut daran, dass sie im ersten Jahr gar nicht wusste, wofür sie den hohen Etat ausgeben sollte. Das änderte sich ganz schnell, denn es kam die Wende und in den 90ern war Sparen angesagt – mit Etat- und Personalkürzungen.

Neue Medien

Trotzdem konnten wir vieles auf die Beine stellen, z.B. den ersten frei zugänglichen Internetplatz in Hammelburg. Daraus wurden dann fünf Plätze, damals noch gebührenpflichtig. In den Anfangsmonaten warteten lange Schlangen an den Computern. Inzwischen sind die verbliebenen drei  Internetplätze gebührenfrei und im Haus ist kostenloses wlan möglich.

Die Schallplatten wechselten sich mit CDs ab, Videokassetten kamen hinzu und die wiederum wurden von DVD und Blu-ray abgelöst. Seit ein paar Jahren bietet die Bibliothek über das Portal emu auch E-Books an. Die elektronischen Bücher, die sich die Leser von zuhause aus herunterladen können, sehen wir nicht  als Konkurrenz zum klassischen Buch, sondern als Zusatzangebot.

Fleischer1Leseförderung

Von Anfang an war klar, dass die Hauptaufgabe der Bibliothek die Leseförderung sein soll. Das wurde auch in einem Leitbild verankert. Und zwar nicht nur passiv durch die Bereitstellung von Medien, sondern aktiv durch Veranstaltungen und Kooperationen. Seit 1988 gibt es das beliebte Kinderprogramm mit Vorlesen und Basteln für Kinder ab 4 Jahren, das regelmäßig alle zwei Wochen stattfindet und inzwischen auch Namen und Logo hat: Unzelfunzel! Dazu gab es Kindertheater, Workshops, Lesenächte, Autorenlesungen und die aufwändig gestalteten Erlebniswelten für Kinder. Los ging es mit einer Teddybär-Ausstellung und viele weitere folgten: Wer erinnert sich noch an das Gruselschloß oder an  „Walter in Ägypten  (mit Mumie!)  - und im Weltraum“? Zu den Ausstellungen kamen im Durchschnitt 800 Grundschul- und Kindergartenkinder.

Kindertheater1 viele freche Walters1 Spukschloss1takatukaland1 wimmelwunderwelt piraten teddy pettersson zachariaszuckerbein2011

Leselöwe1Die Zusammenarbeit mit Schule und Kindergärten war und ist ein wichtiger Baustein der Leseförderung. Nicht nur aus Hammelburg, sondern auch aus der umliegenden Schulen kommen die Lehrer mit ihren Klassen zum Bibliotheksbesuch und nutzen unser umfangreiche Angebot wie Märchenrallye, Baumhausführung, den Hexenbesuch oder die Reise nach Bibliothekarien oder leihen Medienkisten aus. Die Vorschulkinder können an vier Besuchstagen den Bibliotheksführerschein machen.

Veranstaltungen für Erwachsene konnten aus personellen Gründen nicht im größeren Umfang angeboten werden. Mit „Erlebt & Erzählt“ ist uns dafür eine sehr erfolgreiche Veranstaltungsreihe gelungen.

Bei den vielen Aktivitäten hat aber die Aktualität bei der Medienauswahl oberste Priorität.

rotesofaBibliothek als Treffpunkt

Was viele immer noch nicht wissen: JEDER kann in die Bibliothek kommen, Zeitung lesen oder die neueste „Bild der Wissenschaft“ oder „Landlust“ lesen, an den Computern arbeiten, den Kopierapparat nutzen oder sich einfach nur umschauen. Zwar gehen auch bundesweit die Ausleihzahlen zurück, dafür steigt die Zahl der Besucher. Denn die Bibliothek ist meist der einzige Ort in einer Stadt, den man ohne Konsumzwang besuchen kann. Das Bibliotheksteam will deshalb den Aufenthalt in der Bücherei auch so gemütlich wie möglich gestalten und die Bibliothek als Treffpunkt und Kommunikationsort weiter ausbauen.

Das Besondere an einer kleinen Bibliothek wie die Hammelburger war schon immer, dass der persönliche Faktor im Mittelpunkt steht. Bei der Beratung und Auskunft nehmen wir uns Zeit für unsere Besucher und haben auch ein Ohr für ihre Nöte. Und Bücher, die es in Hammelburg nicht gibt, kann die Bibliothek von anderen Büchereien beschaffen.

regaleViele Neuerungen

Die Besucher mussten sich im Lauf der Zeit immer wieder mal auf Neues einstellen.  Die Sachbücher wurden komplett auf die sogenannte Klarschriftsystematik umgeändert, jedes Buch wurde dabei neu erfasst und zugeordnet. Jetzt steht auf dem Buchrücken kein unverständliches Kürzel wie „Cem 2“, sondern „Reisen Italien“, so dass es für die Kunden einfacher geworden ist, sich zurechtzufinden.  Dabei schraubte das Team auch in Eigenarbeit die Regale neu zusammen und stellte sie komplett anders wieder auf.  Ein Jahr später waren dann die Kinderbücher an der Reihe.

Laptops zum Ausleihen, ein neues EDV-Programm, E-Book-Reader , eine Auszubildende – nicht nur die Leser, auch wir müssen ständig dazulernen.

wirtshausGroßer Rückhalt bei den Bürgern

Die Bibliothek wäre aber keine so beliebte Einrichtung geworden ohne die Unterstützung der Bürger. Sie spenden, kaufen Bücher für die Aktion Bücherpaten und übernehmen Zeitschriftenabos oder arbeiten im laufenden Betrieb mit. Viele Geschäfte, Vereine und Banken helfen mit Sachspenden. Der Lions-Club unterstützt maßgeblich die Leseförderangebote. So viel Engagement – da war es nur folgerichtig, dass sich ein Freundeskreis gründete, der die Bibliothek ideell und finanziell und mit viel Arbeitsaufwand bei Flohmärkten und Veranstaltungen unterstützt. Passend zum 30Jährigen überwies uns der Freundeskreis ein Jubiläumsextra über 3000 €!

Wie geht es weiter?

Die Bibliothek wird es auch in den nächsten 30 Jahren noch geben – aber vielleicht in veränderter Form. Ein Umzug ins ehemalige Kaufhaus neben dem Rathaus ist vom Stadtrat geplant. Die Bibliothek kann dazu beitragen, dass das Haus ein echtes Bürgerhaus wird und sich als Treffpunkt und Lernort für alle etabliert.

Wer jetzt noch meint, dass die Mitarbeiterinnen den ganzen Tag lesen, an der Theke sitzen und Bücher ausleihen oder rücksortieren, sollte doch mal vorbeischauen und sich eines Besseren belehren lassen!

Wer sich gern an die "alten" Zeiten erinnern mag, kann in den Fotoalben stöbern, die jetzt vorn geggenüber der Theke ausliegen.